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Familiensonntag der Katholischen Kirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von JoKr   
Samstag, 14. Januar 2012

Am 15. Januar begeht die Katholische Kirche ihren Familiensonntag. Die Familie, so heißt es, sei aus christlicher Sicht zugleich "Lebens- und Glaubensgemeinschaft". Weshalb dieser "Familiensonntag" nicht mit dem Fest der "Heiligen Familie" im Dezember begangen wird, erschließt sich nicht. Sollte es vielleicht sein, daß die "Heilige Familie" nicht so ganz den kirchlichen Vorstellungen einer Familie entspricht, denn immerhin ist Jesus außerehelich geboren. Wer geleitet von dem Gedanken der Familie als "Lebens- und Glaubensgemeinschaft" das Alte und Neue Testament auf Aussagen zur Familie hin durchsieht, stellt ernüchtert fest, daß das Wort "Familie" weder im Alten noch im Neuen Testament vorkommt. 

Aber nicht nur das; Jesus scheint kein Familienmensch gewesen zu sein. Schon als 12jähriger gibt er dies seinen Eltern zu verstehen, die ihn voller Sorge in Jerusalem suchen und schließlich im Tempel finden. Und da ist noch der berühmte Ausspruch im Matthäus-Evangelium (10, 37): "Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert". Ein vertrautes "Papa" oder "Papi" für Joseph, der im Neuen Testamen recht stiefväterlich behandelt wird, und  ein "Mama" oder "Mutti" ist aus Jesu Mund nicht überliefert, auch nicht die Anrede "Mutter". Jesus nennt seine Mutter schlicht "Weib". Darin spricht sich Distanz aus. Jesu Spruch "Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen" (Johannes 2,4), scheint wohl kaum für eine emotionale Bindung Jesu an seine Mutter zu sprechen.

Woher stammt also die Idee der "christlichen Familie"? Sie ist eine Idee des 19. Jahrhunderts und kaum christlicher, sondern romantischer Natur. Das Fest der "Heiligen Familie" wurde sogar erst nach dem ersten Weltkrieg eingeführt. Mit der "christlichen Familie" wird dem Christentum eine Idee übergestülpt, die weder in der Schrift noch im Verhalten Jesu begründet ist. Sie widerspricht auch dem Grundcharakter des Christentums. Es ist eine Entscheidungsreligion, keine Geburtsreligion, weshalb die Vorstellung der Familie von einer christlichen "Lebens- und Glaubensgemeinschaft" ideologischer Aufputz ist.

Die Katholische Kirche hat auch nie viel von der Familie gehalten. Wie sollte sie auch, da Familie und Zölibat nunmal nicht vereinbar sind. Es gibt keine Priester, die Vorbild für ein christliches Familienleben sind. Ja man kann sogar sagen, daß die Kirche mit dem Gedanken der Ehelosigkeit der Familie entgegengearbeitet hat. Und für das Heer der gezüchteten Ehe- und Familienlosen hat man dann das Personal für Internate und Kinderheime geschaffen, in denen den Kindern gewaltsam das vorenthalten wurde, worauf die Ehe- und Familienlosen mehr oder minder freiwillig verzichtet haben, die Familie. Ältere Nonnen wissen noch von der Zeit zu berichten, wo es ihnen nicht gestattet war, an das Sterbebett von Vater und Mutter zu eilen. Die Nachfolge Jesu war für sie immer mit dem schmerzvollen Verzicht auf die Familie verbunden. Vielleicht liegt hierin eine Wurzel für die Gewalt und den sexuellen Missbrauch an Kindern in Heimen und Internaten.

Die Worte zum katholischen Familiensonntag lassen keine Bezüge zu diesen Perversionen erkennen. Auch hier zeigt sich, wie wenig die Reflexion auf das vorangekommen ist, was in der letzten Zeit so viele Menschen bewegt hat. Statt sich der geschichtlichen Wirklichkeit zu stellen, bezieht man sich auf vorgeprägte Floskeln und Riten und flüchtet sich in eine romantisch verbrämte religiöse Welt, die mit der Figur Jesu so gut wie nichts zu tun hat. Es gibt nur eine einzige Szene im Neuen Testament, in der so etwas wie Familie aufscheint, und zwar als Jesus seinen geliebten unbekannten Jünger seiner Mutter als Sohn und dem geliebten ungenannten Jünger seine Mutter als Mutter übergibt. Man gewinnt hier den Eindruck, daß Jesus seinen geliebten Jünger zum Schwiegersohn seiner Mutter macht. Aber das ist freilich ein Familienbild, das die Katholische Kirche an ihrem Familiensonntag gewiß nicht im Blick hat. Man schaut lieber durch eine romantische Brille und redet sich eine Wirklichkeit schön. Doch in beiden Aspekten ist die Katholische Kirche in ihrem Familienbild von den biblischen Quellen eben gleich weit entfernt.  
 
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