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Polizistenwitwe »will, daß Mumia stirbt« PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pethens   
Freitag, 4. September 2009

DER SPIEGEL unterstützt Polizistenwitwe, die »will, daß Mumia stirbt«

26.08.09 (von ivk) Im Magazin Der Spiegel Nr. 35 vom 24.8.2009 veröffentlicht Cordula Meyer, Leiterin des Spiegel-Büros Washington D.C., einen fünfseitigen Artikel unter der Rubrik »Kultur«, in dem sich nichts anderes zeigt als die Kultur der Verkommenheit einer Journaille, der keine Verdrehung und keine Lüge zu unverschämt ist, wenn es darum geht, den mutigen Kampf eines Menschen gegen seine Unterdrücker zu verleumden.
Die Verteidigung wird sich zu diesem Artikel ins Verhältnis setzen, sobald sie die vollständige Übersetzung in den Händen hält. Auch IVK und Solidaritätsbewegung werden sich in Kürze zu diesem Artikel äußern. Es wird dabei vor allem um den Fakt gehen, daß Cordula Meyer als selbsternannte Staatsanwältin versucht, mit falschen »Tatsachen«, offenen Lügen und einer diffusen Stimmungmache Mumia als »Polizistenkiller« hinzustellen.
Für uns zeigt sich in diesem Artikel allerdings nichts als die Not der Herrschenden und Befürworter der Todesstrafe, ausgerechnet jetzt auf die Solidaritätsbewegung in der BRD einzuwirken und einzuschlagen, weil sich angesichts der Gefahr, daß Mumia Abu-Jamal nach Ausschöpfung aller juristischen Berufungsmöglichkeiten hingerichtet werden könnte, von P.E.N. Deutschland und der Akademie der Künste bis zu vielen oppositionellen und alternativen Strömungen in diesem Land wieder stärkere Solidarität regt. Wie seit Jahrzehnten schon, geht es dem Spiegel als Medium imperialistischer »Weltinnenpolitik« auch jetzt darum, »Sympathisantenpositionen abzudrängen«. Leider vergebens, denn für uns gilt, was der Schauspieler Rolf Becker im April 2008 im Berliner Brecht-Haus auf der Solidaritätsveranstaltung des P.E.N. Deutschland gesagt hat: »Wir treten vor allem auch deshalb für Mumia ein, weil er sich politisch nicht unterwirft«!
IVK Bremen

http://www.freedom-now.de/news/artikel536.html

Hierzu einige Lesermeinungen die uns zugetragen wurden und welche wir ohne weitere Kommentare oder Zensur wiedergeben:
Lesermeinungen sind freie Meinungen von Lesern und müssen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wiederspiegeln. Für den Inhalt ist alleine der / die SchreiberIn verantwortlich.

Die falsche Fragestellung

Wie schade, dass der Spiegel genau das tut, was er der Solidaritätsbewegung vorwirft - er reduziert den hochkomplexen Fall mit dem Titel dieses Forums auf eine Glaubensfrage.
Um die Frage nach Schuld oder Unschuld beantworten zu können, bräuchte man detaillierte Fakten zu Tathergang und Urteilsfindung - davon jedoch weit und breit keine Spur. Stattdessen Verlautbarungen und Bekenntnisse einzelner, die keinen anderen Sinn zu haben scheinen als den angeblich so verehrten Helden im Todestrakt von seinem mutmaßlichen Sockel zu zerren. Nun denn.
Das erzeugt ungute Gefühle auf den verurteilten Mörder und Mitleid mit der Witwe, aber der Wahrheitsfindung dient es nicht.
Wäre es einem Blatt, das sich als intellektuell begreift, nicht angemessen gewesen, die Frage nach der Todesstrafe an sich zu thematisieren? Zu fragen, ob und wenn ja, in welchen Fällen, sie vollstreckt werden sollte?
Wäre es nicht angemessen gewesen zu erwähnen, wie viele tausend Menschen in den USA, und zwar jahrzehntelang, in Todestrakten sitzen? Dass es wichtig und richtig wäre, diese Hölle zu beenden - egal, ob die Verurteilten schuldig sind oder nicht?
Wäre es nicht spannend gewesen, das Gefängnissystem in den Vereinigten Staaten genauer zu beschreiben und zu beleuchten und zu zeigen, wer dort auf welcher Seite der Gitter bzw. schalldichten Wände sitzt und warum? Und wer davon profitiert und warum?
Wäre es schließlich in dem Artikel selbst nicht hilfreicher gewesen, ein paar handfeste Gründe für die Forderung Abu-Jamals und all der verblendeten Prominenten nach einem neuen Verfahren aufzuzählen - die nie verwendeten Fotos des Fotografen am Tatort, die neuen, ungehörten Zeugen, den Amnesty Report zu all den verfassungswidrigen Verfahrensfehlern?
Und hätte man den hervorragenden Film von Marc Evans "In Prison My Whole Life" und das akribisch recherchierte Buch von Dr. Michael Schiffmann "Wettlauf gegen den Tod" nicht wenigstens erwähnen können, damit tatsächlich an den Fakten Interessierte sich selbst ein Bild verschaffen können?
Nein. Offensichtlich nicht. Warum nicht?
Mit Stimmungsmache statt Fakten strickt der Spiegel selbst den Mythos weiter, den er anprangert.
Und nimmt die Folgen für den Mann im Todestrakt billigend in Kauf.

Annette Schiffmann - think queer - netzwerkagentur für kunst und kommunikation Heidelberg


Online Forum:
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8358

Artikel enthält viele Fehler

Vor einigen Tagen hatte ich mich bereits zu einigen sachlichen Fehlern in diesem Artikel hier gemeldet. Nach nochmaligem Durchlesen sind mir weitere aufgefallen.

Mumia Abu-Jamal wird als 14-jähriger Schulabgänger beschrieben. Was soll das andeuten? Warum wurde nicht erwähnt, dass er einen Schulabschluss sowie ein abgeschlossenes  Studium absolviert hat?  Im Vergleich zu dem Artikel von Frau Meyer haben die Artikel von Abu-Jamal sprachliches Niveau.

Es wird suggeriert, dass diverse Spendenvereine 1 Million $ für Mumias Verteidigung gesammelt hätten? Woher stammt diese Zahl? Es ist wahr, dass zwischen 1995 und 2002 ca. 700.000 $ gesammelt wurden. Seit dieser Zeit sind Spenden für die Verteidigung deutlich geringer geworden. Mumia Abu-Jamal hat jedoch seit 2003 ein komplett neues Verteidigungsteam. Alle daran beteiligten Anwältinnen und Anwälte arbeiten ohne Honorar und bezahlen sogar noch einen Großteil der Kommunikation und Reisekosten selbst. So mußten sie z.B. für den ca. 75.000 $ teuren Antrag vor dem U.S. Supreme Court Freunde privat beleihen.
Übrigens wurde dieser Antrag vom Gericht mit nur zwei Worten kommentiert: "Antrag abgelehnt". Eine juristische Begründung für die Ablehnung unterlies das Gericht - schliesslich gibt es auch gar keine.

Was mich aus der langen Liste der falschen Darstellungen aber am meisten verärgert, ist der sinnlose Vorwurf, Abu-Jamal äussere sich nicht zu den ihm gemachten Anschuldigungen. Es ist hinlänglich bekannt, dass Aussagen zu schweren Vorwürfen in einen Gerichtssaal und in seinem Fall vor eine Jury gehören. Sie werden nicht in Magazinen wie dem SPIEGEL verhandelt. Das ist keine US-Spezialität, sondern überall so.

Mumia Abu-Jamal wurde 1982 gezwungen, mit einem überforderten Verteidiger zu arbeiten,  den er selbst bereits nach wenigen Tagen entlassen wollte. Das Gericht stellte ihm lediglich  150 $ für den Aufbau einer Verteidigung zur Verfügung. Die meiste Zeit lies Richter Sabo (selbst FOP Mitglied) den Angeklagten aus dem Gerichtssaal entfernen, damit er keine Chance hatte, vor der Jury gegen die gefälschten Beweise vorzugehen.

U.a. auch deshalb fordert Mumia Abu-Jamal sowie alle ernsthaften Unterstützer ein neues Verfahren. Davor hat nicht nur die Staatsanwaltschaft in Philadelphia Angst, sondern auch der jetzige Governeur Ed Rendell. Er war 1982 Oberstaatsanwalt und wäre im Fall einer Freilassung von Abu-Jamal wohl der erste, der viele Fragen über Manipulationen in diesem Fall zu beantworten hätte.

Dass darüber hinaus die FOP, ein Michael Smerconish oder auch der ehemalige Governeur und Heimatschutzminister Ridge mit aller Macht versuchen, ein neues Vefahren zu verhindern und Mumia Abu-Jamal statt dessen umbringen zu lassen, ist einfach zu verstehen. Dass aber der SPIEGEL sich dem andienen muss, in dem er eine Maureen Faulkner vorführt, ohne ihre Rolle als Gallionsfigur einer sehr finanzkräftigen Lobby zu beschreiben, ist einfach nur Propaganda auf hohem Niveau.


Leserbrief zu Cordula Meyer, „Die Feuer der Hölle“, Spiegel Nr. 35, 24.08.09

Der Spiegel-Artikel zum Fall Mumia Abu-Jamal ist offenbar Resultat umfangreicher Recherchen, bleibt aber am Ende dennoch extrem oberflächlich. Statt einer gründlichen Untersuchung der Fakten bekommen wir ein Melodram serviert, in dem eine internationale Phalanx ignoranter Gutmenschen, die naiv an die Unschuld ihres Helden glauben, der leidenden Witwe des getöteten Polizisten gegenübersteht, die ganz allein „die Feuer der Hölle“ erleiden und austreten muss.
Unerwähnt bleibt, dass Maureen Faulkner in ihrer Kampagne für die Hinrichtung Abu-Jamals massiv von der über 300.000 Mitglieder starken Polizeiorganisation Fraternal Order of Police FOP unterstützt wird, deren Wirken vom Verkauf geschmackloser Pro-Exekutions-T-Shirts bis zu Boykottdrohungen gegen alle Politiker und sonstigen Personen des öffentlichen Lebens reich, die es wagen, Abu-Jamal in irgendeiner Form zu unterstützen.
Obendrein wird systematisch der Eindruck erweckt, Abu-Jamal und sein Anwalt hätten ja doch etwas zu verbergen und der Klient säße somit vielleicht ganz zu Recht da, wo er seit Jahrzehnten sein Leben fristen muss – in der Todeszelle. Wenn sie solche Angst vor den Fakten haben, warum sind sie es dann, die seit Jahren lautstark einen neuen Prozess fordern?
Mit den Fakten hat sich die Autorin wenig Mühe gemacht. Ihre Präsentation des Tathergangs folgt nahezu eins-zu-eins der Version der Staatsanwaltschaft, und zur Unterstützung zitiert sie den Prozesskommentar des schwarzen Journalisten Chuck Stone: „Was den talentierten schwarzen Journalisten überführte, war eine Fülle unwiderleglicher Fakten.“
Was bei Stone zu entschuldigen sein mag, ist es nicht bei Meyer: In den 27 Jahren seit Abu-Jamals Verurteilung sind Berge neuer Fakten zugänglich geworden, die die Tatversion der Anklage buchstäblich zu einem Sieb zerlöchert haben. Dazu zählen nicht zuletzt 2006 neu aufgefundene Tatortfotos des Pressefotografen Pedro P. Polakoff, die die Abwesenheit eines Hauptbelastungszeugen vom Tatort und das haarsträubende Vorgehen der Ermittlungsbeamten zeigen – und die dem Spiegel, neben umfangreichem weiterem Material, vorlagen.
Statt solches Faktenmaterial einfließen zu lassen, hat es der Spiegel vorgezogen, ein postmodernes Theaterstück zu publizieren, in dem die Tatsachenrecherche hinter Klischees und die Akteure hinter ihrem Abbild verschwinden – und in dem wir nur selbst entscheiden dürfen, wer Held und Anti-Held ist.

Dr. Michael Schiffmann
Anglistisches Seminar der Universität Heidelberg
Autor des Buches Wettlauf gegen den Tod. Mumia Abu-Jamal: ein schwarzer Revolutionär im weißen Amerika, Promedia, Wien 2006 und zahlreicher Essays und Artikel zu Mumia Abu-Jamal und zur Todesstrafe in den USA


Sehr geehrte Damen und Herren beim Spiegel,

Ihr Anspruch auf eigenständige Recherche ist Ihnen bei dem Artikel über Mumia Abu-Jamal leider völlig abhanden gekommen. Zwar hat Cordula Meyer es gerade noch geschafft, auf "Unstimmigkeiten" im Verfahren des seit über 27 Jahren in einer 6qm kleinen Todeszelle inhaftierten Journalisten Mumia Abu-Jamal hinzuweisen, aber zu mehr Hintergründen  haben die fünf Seiten Artikel dann leider doch nicht gereicht.

Mumia Abu-Jamal wird nicht nur deswegen von Millionen Menschen unterstützt, weil er ein kompetenter politischer Analyst und ansprechender Autor ist, sondern weil seine Verurteilung zum Tod 1982 auf absolut unbewiesenen Behauptungen basiert.

Zeuginnen wie Veronica Jones oder die Krankenhauswache Priscilla Durham haben ihre Aussagen längst zurückgezogen. Beide haben hinlänglich erklärt, wie sie unter Druck der Polizei in Philadelphia überhaupt dazu kamen, Mumia Abu-Jamal zu belasten. Die Unstimmigkeiten hören hier aber lange nicht auf.

Staaatsanwealt McGill nahm der Jury die Verantwortung für ein Todesurteil ab, in dem er sugerierte: "Der Angeklagte habe noch Berufung auf Berufung". Richter Sabo liess das durch gehen. In 13 anderen Verfahren haben höhere Instanzen diese von beiden oft angewendete Taktik als klaren Verfassungsbruch kassiert, nur bei Mumia Abu-Jamal nicht.

Die Frage drängt sich auf, warum eigentlich nicht?

In Ihrem Artikel wird mit keinem Wort die rechtsaussen Polizei Bruderschaft "Fraternal Oder of Police" (F.O.P.) erwähnt, deren Mitglied Richter Sabo bis zu seinem Lebensende war. Sie ist die treibende Kraft hinter der poitischen Kampagne, Mumia Abu-Jamal hinrichten zu lassen. Maureen Faulkner wird seit Jahrzehnten als Gallionsfigur missbraucht. Der Chefstratege und Medienmann Michael Smerconish ist das intelektuelle Sprachrohr dieser Bemühungen. Wie in seinem heutigen Artikel in den Philadelphia Daily News ( http://www.philly.com/dailynews/opinion/20090827_Michael_Smerconish__A_German_surrender__on_Mumia_.html  ) unschwer zu erkennen ist, hat er Cordula Meyer bei ihrer "Recherche" unterstützt.

Dass der SPIEGEL versucht, Mumia Abu-Jamal als vermeintliche linke Ikone zu bagatellisieren und sich gleichzeitig zum Gehilfen einer auf Rassismus und Todesstrafenempathie basierenden Kampagne macht, ist sehr besorgniserregend.


Mit freundlichen Grüßen,

Anton Mestin, Berlin


Die Chefredakteure des Spiegel sowie Frau Cordula Meyer täten gut daran, ihren Lesern eine korrekte Recherche über den Fall Mumia Abu-Jamal zu offerieren! Aufgrund falscher (!) Fakten sollen Leser "diskutieren", ob Mumia Abu-Jamal schuldig oder unschuldig ist - das ist mehr als absurd! Wenn solch ein reißerischer Artikel die Auflage heben soll, dann ist das gewissenlos und hat mit seriösem Journalismus NICHTS zu tun!

Charlotte King


Feuer der Hölle" Der Spiegel Nr.35

!Außerdem bietet Spiegel Online eine "Diskussion" an : "Ist der zum Tode verurteilte Mumia Abu-Jamal schuldig? unter www.spiegel.de/forum/Todesstrafe


------ Original-Nachricht --------
Datum: Wed, 26 Aug 2009 09:10:16 +0200
Von: "xxxxxxxxxx (a.d.R. Emailadresse wurde unkenntlich gemacht)
An: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können , Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können
Betreff: "Die Feuer der Hölle" Der Spiegel Nr.35


Ich bin erschüttert darüber, mit welcher Ignoranz der Artikel über Mumia Abu-Jamal abgefaßt wurde. Süffisant werden Mumia-Unterstützer und Herr Abu-Jamal selbst diffamiert und verunglimpft. Kein Wort über die DRINGLICHKEIT der ABSCHAFFUNG der Todesstrafe in den USA -und weltweit! - Der Tod Daniel Faulkners ist tragisch - der Mumia Abu-Jamal -Prozess war ein rassistischer Prozess mit zur Falschaussage erpreßten "Zeugen", wie längst belegt ( s. z.B. Amnesty International)ist. Es geht und ging immer um einen FAIREN Prozess, in dem die Beweise für die von Mumia Abu-Jamals erklärte Unschuld vorgelegt werden können. Das ist Frau Cordula Meyer leider egal. Falsche "Fakten" und Unterstellungen werden aneinandergereiht; ich empfehle Frau Cordula Meyer dringend den Film "In Prison My Whole Life". Der Trailer ist unter www.inprisonmywholelife.com abrufbar.
Übel auch , den Begriff "Intellektuelle" in diffamierender Weise zu benutzen-,war im "Dritten Reich" gang und gäbe und umso erschreckender, nun im "Der Spiegel" diesen Stil vorzufinden! "Der Spiegel" mit seiner relativ hohen Auflage würde gut daran tun, Gegner der Todesstrafe -"Der erbärmlichsten Form des bewußten Mordes" -zu unterstützen! Biete Ihnen , Frau Meyer, gerne ein Gespräch zur Sache an.

Petra Siemering


http://www.stattweb.de/baseportal/NewsDetail&db=News&Id=5881

stattweb.de-News und -Mitteilungen, 24.August 2009 
Spiegel: Störfeuer auf Mumia Jamal
Der SPIEGEL hat es sich in seiner neuen Nummer -24.8.09- angelegen sein lassen, so viel Sperrfeuer auf Mumia Jamal abzugeben, dass sein ganzer Kampf um Freilassung samt dem seiner inzwischen unzählbaren Unterstützer als reichlich unglaubwürdig hingestellt wird. Natürlich nicht in der plumpen Art: Mumia sagt das - in Wirklichkeit war aber alles folgendermaßen.
 
Sondern einfach durch Einfügung von Zweifeln in bestimmte Aussagen. Etwa die zwei Polizisten, die Mumia ursprünglich festgenommen hatten, bezeugen nachträglich laut SPIEGEL, er hätte im Krankenhaus herumgebrüllt: "Ich habe auf die Drecksau geschossen." Erstaussage der selben Polizisten: "Der schwarze Mann hat sich nicht geäußert" usw.
 
Das für sich allein würde niemand irre machen. Zur Erzeugung schwererer Bedenken wird deshalb die Witwe des Erschossenen aufgerufen: diese, zum zweiten Mal verheiratet, kämpft unerbittlich dafür, dass der angebliche Mörder ihres Mannes endlich, nach so vielen Jahren, doch zum Tode verurteilt wird. Außer diesem -von ihr aus- durchaus verständlichen Wunsch wird nichts aufgeboten, was irgendein neues Licht auf den Fall werfen könnte.
 
Nach SPIEGEL-Psychologie soll also das erweislich Wahre verschwinden hinter dem Psychodrama: zwei eisenharte Wesen kämpfen um Leben und Tod. Wer dabei Recht hat, darf keine Rolle mehr spielen. Wir wählen -je nach Gefühlsbedarf- eine Figur und kämpfen im Geiste mit. Was sollen schon Begriffe wie: wahr oder falsch. Wichtig ist nur eins: Lebenstaumel. Leben - ein ewiges Ringen.
 
Die Frage nach dem Sachverhalt bleibt dann nur noch pingeliges Besserwissertum.
 
Quelle: SPIEGEL Nr.35/ Artikel: Die Feuer der Hölle/ Cordula Meyer/ S. 122
AutorIn: fg


Letzte Aktualisierung ( Freitag, 4. September 2009 )
 
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