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Homophobie greift um sich |
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Geschrieben von Magnus Reisinger
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Dienstag, 6. Oktober 2009 |
Am 21. September ist in Berlin ein Bündnis gegen Homophobie gegründet worden. Dies ist leider notwendig, betrachtet man die angestiegene Zahl von Übergriffen auf Menschen, die einen eigenen Lebensstil haben. Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten Deutschlands, Europas und der Welt ist dies zu beobachten.
Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn Schwule, Lesben, Bisexuelle oder transgender Personen beleidigt, ausgegrenzt oder körperlich verletzt werden. Es ist schlimm, wenn Brandsätze in Bars geworfen werden, wie es kürzlich in Rom mehrfach geschehen ist oder Menschen wegen ihres Andersseins egal wo verprügelt oder niedergestochen werden.
Homophobie setzt schon früh an. Immer dann, wenn Menschen wegen ihres Andersseins Rechte verwehrt werden oder sie in Familie, Arbeit und Ehrenamt gemobbt werden, keimt Homophobie auf. Dies geschieht meist, weil sich die angreifende Seite zurückgesetzt fühlt oder meint, minderwertig zu sein und nicht geliebt zu werden. Sie begründen die Diskriminierungen dann immer mit einem "Makel" des nicht "Normalseins" und begründen dies je nach Kontext politisch, kulturell oder religiös.
Doch diese "Vorurteile" greifen nicht. Wer kritisch hinterfragt weiß, dass es keinen Normalzustand von Menschen gibt. Menschen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie Individuen sind. Sie haben einen eigenen Geist und Gestaltungswillen, haben die Fähigkeit der Reflexion und können sich verändern. Darauf müssen wir uns berufen und uns öffentlich zeigen.
In Rom sind z. B. 30.000 Demonstrierende aus Gesellschaft und Politik am 24. September in einem Fackelzug auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Homophobie zu demonstrieren. Am Beispiel des römischen Bürgermeisters Gianni Alemanno von der Popolo della Libertà PDL (früher war er im rechten Flügel der faschistischen Partei Movimento Sociale Italiano MSI) wird deutlich, wie schleichend Diskriminierung ansetzt. Er sagte in einem Interview: "Ich habe jeden denkbaren Respekt für schwule Personen, ich kenne einige." Und weiter, er mache "keine Diskriminierungen im Verhältnis zu Personen." Trotzdem sei "der Gay Pride ein Akt des sexuellen Exhibitionismus und "er sei" gegen den sexuellen Exhibitionismus, sei er homo- oder heterosexuell". (Interview im Corriere della Sera vom 6. Mai 2008, vgl. auch: http://www.corriere.it/politica/08_maggio_06/gay_pride_roma_Alemanno_dc03480c-1b9f-11dd-98ce-00144f486ba6.shtml ). Genau dort setzt Diskriminierung an. Das lateinische "discriminare" meint "trennen, absondern, unterscheiden" und bezeichnet die soziale Diskriminierung, die gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Individuen. Eine Demonstration und Einforderung von gleichen Rechten als Exhibitionismus herabzuwürdigen ist daher verfehlt. Dieses bedeutet einen mangelnden Respekt gegenüber Anderslebenden und führt zu einer geringeren Wertschätzung dieser Personen. Genau das ist Diskriminierung. Es bleibt nur zu hoffen, dass sein Sohn schwul ist, damit er sich einmal wertfrei mit dem Thema auseinander setzen muss.
Wir müssen das Unrecht, das jemandem angetan wird, aufdecken. Dann können wir versuchen, den Menschen, die uns und andere diskriminieren, die Möglichkeit zu geben, sich in die Situation ihres diskriminierten Gegenübers hineinzuversetzen, um ihr Unrecht einzusehen.
Nicht jeder hat das Glück in der Nachbarschaft seiner häuslichen Umgebung einen anders lebenden Menschen wohnen zu haben, so dass man die einmal gefassten Vorurteile überdenken und im tagtäglichen Miteinander abbauen kann. Deshalb geben wir uns zu erkennen, werben wir mit Sympathie und nicht mit Schelte.
Den Opfern diskriminierender Gewalt müssen wir beistehen. Zivilcourage ist gefordert, um ihnen zu zeigen, ihr seid nicht allein. Wir sind viele und wir sind für Euch da. Nicht nur selten im Jahr beim CSD, sondern vor unserer Haustür im Alltag. Lippenbekenntnisse von Verbänden und Politikern allein helfen nicht weiter. Deshalb schreitet ein, wenn ihr seht, dass jemand diskriminiert wird. Ja, es erfordert Mut, sich für einen anderen einzusetzen, wenn man an die möglichen Nachteile für einen selbst denkt. Aber wenn wir facettenreiche Individuen sein und für unser Anderssein einstehen wollen, dann müssen wir wenigstens so mutig sein wie die 30.000 Menschen in Rom, die meist ohne persönliche Not für die Rechte aller eintreten, damit die letzten 40 Jahre nach Stonewall nicht vergebens waren!
Euer Magnus (MFB-09)
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