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Wie können wir Homophobie begegnen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Magnus Reisinger   
Freitag, 6. November 2009

Der dänische Fußballklub Midtjylland entlässt seinen Torwart, weil dieser Schwule hasst.

So titelt taz.de (http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/so-richtig-daneben-gegriffen ). Und das ist gut, dass der Torwart entlassen wurde.
Doch ist besagter Torwart nach der Kündigung jetzt auf einmal kein Schwulenhasser mehr? Oder ist der Verein oder der Verband in Wahrheit nicht trotzdem total homophob? Und was ist mit den anderen Spielern? Oder den Fans? Was ist mit dem Fußballsport insgesamt?

Ein Umdenken von Homophobie zur Akzeptanz anderer Lebensweisen ist nur möglich, wenn in jeder Generation neu erlebt werden kann, dass es andere Lebensweisen gibt, die durchaus in Ordnung sind.
In Berlin Schöneberg fand am 29. Oktober ein Treffen von AnwohnerInnen mit dem Bezirksbürgermeister und der Polizei statt. Der Anlass waren Übergriffe auf Homosexuelle und der allgemeine Anstieg der Gewalt (teilweise organisiert) gegen Eigentum.
Nachdem alle ihre Befindlichkeiten äußern konnten, fasste man den Beschluss, dass Bürgermeister Band (SPD) die gewerbetreibenden zusammenbringen will, um zu überlegen, was man tun kann, um Kriminalität vorzubeugen. Hier waren schon Aktionen vorgeschlagen worden, wie mehr Straßenlicht, zivile Streifen abends etc. Darüber hinaus soll Herr Birk (B90/Gr) eine Bürgerinitiative der Anwohnenden organisieren. Dieses wäre schon bei der Anwohnerinitiative Klausener Platz Berlin gelungen (http://www.klausenerplatz-kiez.de ).

Dem Aktionsbündnis gegen Homophobie  soll laut Angaben von Herrn Birk schon 2,3 Mio. Euro vom Abgeordnetenhaus Berlin zugesichert worden sein, um die Bildung von Kitas über Schulen bis zu Erwachsenenbildung zu stärken. Doch ob das bei der Haushaltslage so bleibt und in welchem Zeitrahmen das bewilligt werden wird, bleibt dahingestellt.
Die Frage stellt sich auch nach dem Wie der Bildungsstärkung. Niemand, der Homophobie betreibt,  wird zwangsweise zu einem Seminar: "Wie wertvoll sind Homosexuelle für die Gesellschaft?" oder ähnliches gehen. Natürlich können mehr Licht in den Straßen, zivile Streifen, Streetwork, das Unterstützen von Jugend- und Freizeiteinrichtungen und Dialog in der Bevölkerung helfen, Ablehnung und Unverständnis abzubauen. Doch müssen wir da nicht eher subtil vorgehen?
Vielleicht hilft es schon wenn jeder anders lebende Mensch versucht, sich nicht zu verstecken und sich dazu bekennt, lesbisch, schwul etc. zu sein. Warum sollte nicht das Einüben eines Krippenspiels in der Vorweihnachtszeit von einem schwulen Pärchen geleitet werden. Wenn die sich dann zur Begrüßung einen Mundkuss geben, was solls? Oder wäre es schlimm, wenn sich Lesben auf der Straße so begrüßten?

Als ich in meiner Kirchengemeinde angefeindet wurde, weil ich offensiv mit meinem Schwulsein umginge und mich zum Mr. Fetish Biker 2009 hätte wählen lassen, schrieb mir jemand aus der Gemeinde, er fühle sich als schwuler Mann nicht diskriminiert und ich solle Ruhe geben. Doch als ich das beim Kirchenkaffee erzählte, bekam ich nur die Antworten: "Ach, der ist schwul?" Kein Wunder, dass man keine Homophobien wahrnimmt, wenn man versteckt lebt.

Ich bin gespannt, wie es international mit Guido Westerwelle weitergeht. Die ersten "Witzeleien" sind über Medien (print und TV) bereits öffentlich gemacht. Und dies nicht nur bei Kabarett oder Satiresendungen. Wenn wir nicht offensiv transparent leben, wird es immer wieder vorkommen, dass Menschen wegen ihres Anders Seins  in Gerichtssälen erstochen werden. Dabei ist es egal, ob es sich um  andere Nationalitäten, anders religiös lebende oder anders sexuell orientierte etc. handelt.

Ich wünsche uns Mut und Kraft, offensiv um die Akzeptanz anders lebender zu werben - und das auch in unseren Familien. Frohe Weihnachten!

Euer Magnus (MFB-09)

 
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