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Mißbrauch und wirtschaftliche Interessen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pethens   
Mittwoch, 10. März 2010
Die Diskussion um den sexuellen Mißbrauch, die eigentlich durch die Veröffentlichung entsprechender Übergriffe in Kinder- und Jugendheimen angestoßen wurde, konzentriert sich zunehmend auf Internate und Eliteschulen. Vom sexuellen Mißbrauch in den Kinderheimen ist jedoch auf einmal kaum noch die Rede. Hatte Prof. Kappeler schon vor einigen Wochen auf die unterschiedliche Behandlung des sexuellen Mißbrauchs in Heimen und Internaten aufmerksam gemacht, so stellt sich die Frage, was die augenblicklichen Interessen sind, die der Diskussion diese Fokussierung auf Eliteschulen und Internaten gibt, und zwar in einem Ausmaß, daß selbst die Bundesregierung sich genötigt sieht, einen eigenen Runden Tisch für diese Fragen einzuberufen.

Es ist wohl nicht von ungefähr, daß die Bundesbildungsministerin dabei kräftig mitmischt. Ihr Glaubensbekenntnis gilt einer Spitzenwissenschaft und dem dazu gehörigen Bildungswesen. Nun droht ihr mit dem Skandal an deutschen Eliteschule gerade die Basis ihres Glaubens wegzubrechen. Wenn Zeugnisse der Eliteschule in Zukunft nur noch belächelt werden, dann verlieren sie für das gesamte Bildungssystem ihren Wert. In diesem Punkte treffen sich die Interesse der Bundesbildungsministerin mit den Interessen besorgter Eltern, die sich gerade mit Blick auf die Berufschancen ihrer Kinder für eine Eliteschule entschieden haben, dafür auch bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Es ist eine Investition in die Zukunft. Ihre Kinder sollen es nicht nur besser haben, sie sollen auch einmal zum Spitzenpersonal der Firma Bundesrepublik Deutschland gehören. Das ist nun gefährdet. Die Spekulation auf die Zukunft droht zum Crash zu werden. Die Aktie "Eliteschule" verliert ihren Wert. Sie verliert jedoch nicht nur ihren Wert, sondern wird zu einem Makel, der den Absolventen dieser Schule anhängt. Das man sich dagegen wehrt und versucht, gerade diesen Ansehens- und Wertverlust zu verhindern, liegt auf der Hand. Briefaktionen und Solidaritätskundgebungen mit diesen Schulen sind ein verzweifelter Versuch, das drohende Schicksal abzuwenden. Wird dem aber nachgegeben, dann besteht die Gefahr, daß gerade das, was jetzt not tun, nämlich die Aufklärung der vorgefallenen Fällen und die Schaffung eines Systems der Prävention, auf der Strecke bleibt. Es wäre daher gut, für die Absolventen der Eliteschule sich darauf einzurichten, daß ihr Abgangszeugnis sich nicht von einem Abgangszeugnis eines Gymnasium einer deutschen Kleinstadt unterscheidet. Vielleicht müssen sie auch damit rechnen, schief angesehen zu werden. Sie werden lernen müssen, mit diesem Makel zu leben. 800000 Heimkinder haben es ihnen vorgemacht.
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 11. März 2010 )
 
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