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Muslime geben Zeichen für Toleranz! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pethens   
Dienstag, 11. Mai 2010
Ungewöhnliche Zeiten zeitigen ungewöhnliche Konstellationen. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen mischt die Parteienlandschaft auf und läßt der Phantasie einen breiten Raum für Farbenspiele. Ebenso überraschend ist, daß mit einem Mal ein Schwulenverband gemeinsam mit einem muslimischen Verband an die Öffentlichkeit tritt. Der Anlaß ist, daß Prof. Dr. Wienfried Kluth, seines Zeichens Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Halle, in einer Stellungnahme zur Verankerung des Diskriminierungsverbots im Grundgesetz bei einer Anhörung im Rechtsausschuß des Deutschen Bundestags am Mittwoch, 21. April 2010, erklärte, daß das Diskriminierungsverbot, festgemacht an der "Sexuellen Identität", die Integration von Muslimen erheblich erschweren würde.

Prof. Kluth schreibt in seiner Stellungnahme "Aus dem Blickwinkel der Migrations- und Integrationspolitik ist zu berücksichtigen, dass für gläubige Muslime, bei denen die Toleranz gegenüber der Gruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgenden, transsexuellen und intersexuellen Menschen noch wenig entwickelt ist, die politisch erwünschte Integration unter ausdrücklicher Einbeziehung des Bekenntnisses zur Verfassung zusätzlich und erheblich erschwert wird." Prof. Kluth hat sich seine Meriten bisher vor allem im Kommunalrecht erworben, scheint aber auch Ambitionen zu haben, auf dem Feld der Ethik, hier vor allem der Medizinischen Ethik, sich zu profilieren. Auf dem Felde des Verfassungsrechts ist er kaum hervorgetreten. Dies erklärt wohl auch die mangelnde Einsicht in die Funktion von Grundgesetznormen auf das Wertesystem und das Wertebewußtsein der Menschen. Gerade wegen der Schwierigkeit, die konservative und religiöse Menschen mit abweichendem sexuellem Verhalten haben können, macht es um so wichtiger, darauf hinzuwirken, daß wir in einem Staat leben und leben wollen, in dem, um ein Wort von Friedrich dem Großen aufzugreifen, „jeder nach seiner Façon selig werden soll“. Dies gilt gerade auch für Muslime. Der Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. und der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) haben die Auffassung von Prof. Kluth kritiersiert. Dieser Kritik schloß sich der Zentralrat der Muslime (ZMD) an. Die Muslime wollen sich nicht für eine homophobe Propaganda, auch wenn diese in eine gutachterliche Stellungnahme eingebunden ist, instrumentalisieren lassen. Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime (ZMD) hebt hierzu hervor: "Die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen findet keine islamische Rechtfertigung. Ein umfassender Diskriminierungsschutz in der Verfassung für alle Menschen ist für das friedliche Zusammenleben in Deutschland notwendig." Von dieser gelungenen Integration ist man an der Universität Halle wohl noch meilenweit entfernt.

Das gemeinsame Auftreten von Schwulen und Muslime ist überraschend. Ebenso überraschend ist das angesagte Treffen zwischen Erzbischof Robert Zollitsch und Dr. Ahmed Hassoun, dem Großmufti der Arabischen Republik Syrien in München. Es ist ein Vier-Augen-Gespräch, in dem es um das Zusammenleben der Religionen im Vorderen Orient geht. Auch hier das Bemühen, trotz gegensätzlicher Auffassung zu einem friedlichen Zusammenleben zu kommen. Der Großmufti von Syrien hat dabei ebenso wenig Bedenken mit dem Vertreter einer durch Pädophilie strangulierten Kirche zusammenzutreffen wie auch Muslime mit Schwulen zusammengehen können, wenn es die Grundlagen eines friedlichen Miteinander notwendig machen.
 
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