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Herzinfarkt sofort 112 rufen! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pethens   
Donnerstag, 10. Juni 2010
Der Herzinfarkt gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jedes Jahr sterben über 60 000 Menschen an einem Herzinfarkt. Beim Herzinfarkt wird ein Herzkranzgefäß durch ein Gerinnsel verschlossen, so dass ein Teil des Herzmuskels von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten ist. Jeder vierte Infarktpatient stirbt, bevor er in die rettende Klinik kommt, weil zu lange gewartet und so eine rasche Behandlung verhindert wurde. Bei Infarktverdacht scheuen Betroffene, Angehörige und Helfer häufig den Rettungsdienst (112) anzurufen. Oft wird bei einem Herznotfall anstelle der 112 der Hausarzt oder der Ärztliche Notdienst angerufen.

„Ein lebensgefährlicher Umweg“, warnt Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker, Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Selbst wenn der Hausarzt kommt, kann er nichts anderes tun, als die 112 anzurufen. Das kostet den Betroffenen wertvolle lebensrettende Zeit, in der die verheerenden Folgen des Herzinfarkts ihren Lauf nehmen. Der Hausarzt hat in der Nachbetreuung eine wichtige Funktion.“

Um derartige Missverständnisse auszuräumen und die Bevölkerung zu informieren, was bei Verdacht auf Herzinfarkt zu tun ist, hat die Deutsche Herzstiftung am 9. Juni eine bundesweite Aufklärungskampagne gestartet. Das Motto lautet: Herzinfarkt: Jede Minute zählt! Sofort 112. Mit großflächigen Plakaten in deutschen Städten, einem TV-Spot, Info-Material und Presseveranstaltungen informiert die Herzstiftung über den Herzinfarkt und gibt Antworten auf Fragen wie: Wie erkenne ich einen Herzinfarkt? Was ist bei Herzinfarktverdacht sofort zu tun? Reicht bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung die Herzdruckmassage aus? Was ist der Unterschied zwischen Rettungsdienst (112) und Ärztlichem Notdienst/Hausarzt? Was leisten Herznotfallambulanzen (Chest Pain Units)? „Mit dieser Kampagne setzen wir unsere Bemühungen im Kampf gegen den Herzinfarkt fort, um Leben zu retten und Gesundheit zu erhalten“, betont Prof. Becker.

Beim Herznotfall sofort handeln
Der Aufklärungsbedarf über das richtige Verhalten bei Verdacht auf Herzinfarkt ist hoch: Zwar ist die 112 für den Notruf weithin bekannt. Kommt es aber zum Notfall, ist für viele Menschen die Hemmschwelle für den Anruf der 112 noch sehr hoch. „Beim Herzinfarkt geht es aber um jede Minute, da er jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen kann. Auch wenn der Herzinfarkt überlebt wird, führt er zum unwiederbringlichen Untergang von Herzmuskel, wenn nicht frühzeitig behandelt wird“, warnt der Herzspezialist. „Die besten Chancen bestehen in der ersten Stunde nach Eintritt des Infarkts“, so Prof. Becker. Wird das Kammerflimmern, bei dem das Herz chaotisch mehr als 300-mal pro Minute schlägt, nicht sofort behoben, kommt es zum totalen Kreislaufzusammenbruch, der zum Tod führt.
Infarktverdacht deutlich äußern!
Wer die 112 ruft, sollte deshalb den Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern, damit kein einfacher Krankenwagen, sondern ein Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird. Die infarkttypischen Alarmzeichen sind leicht zu erkennen: Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Auch ein starkes Engegefühl, heftiger Druck und ein Brennen im Brustkorb gehören dazu. Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen.

Herzdruckmassage reicht aus
Ist der Betroffene bewusstlos, reagiert er nicht auf lautes Zurufen oder andere Reize (Zwicken) und atmet nicht normal, ist mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Pumpversagen durch Kammerflimmern auszugehen. Zuallererst ist die 112 zu rufen, dann ist sofort mit der Wiederbelebung durch Herzdruckmassage zu beginnen. Laienhelfer sollten dabei auf Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten, wenn sie diese nicht sicher beherrschen. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung allein mit Herzdruckmassage hat sich in wissenschaftlichen Studien bewährt und ist für Laien einfach anzuwenden.

Herznotfallambulanz / CPU
Wer sich nicht entschließen kann, die 112 zu rufen, weil die Schmerzen nicht so stark sind oder Zweifel bestehen, ob es sich um einen Herzinfarkt handelt, kann sich in die CPU (Chest Pain Unit, engl. für Brustschmerzeinheit) fahren lassen (niemals selbst fahren, da bei Auftreten von Herzrhythmusstörungen keine Fahrtüchtigkeit besteht!). Die Herznotfallambulanz steht allen Patienten mit akuten Brustkorbbeschwerden 24 Stunden offen und verfügt über alle modernen Geräte für die sofortige Erkennung eines Herznotfalls. Zertifizierte CPUs gibt es derzeit an 75 Standorten bundesweit. Achtung: Ist die CPU weiter als 30 Kilometer bzw. länger als 30 Minuten entfernt, sollten Betroffene sich nicht dorthin fahren lassen, sondern sofort den Rettungsdienst (112) rufen.
 
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