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Fußball-WM und emotionaler Stress |
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Geschrieben von pethens
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Freitag, 18. Juni 2010 |
Wer sich für die Fußball-WM begeistert, weiß: Je weiter die Lieblingsmannschaft in die Endrunde kommt und je spannender die Begegnungen sind, desto emotionaler – sogar stressiger – kann das Zuschauen sein. Bei herzkranken Menschen kann dieser Stress in eine lebensbedrohliche Situation umschlagen. Im schlimmsten Fall führt er zum Herzinfarkt oder zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen. Das haben Untersuchungen bei 4 279 Patienten im Raum München während der Fußball-WM 2006 in Deutschland gezeigt.
Die Studie Cardiovascular Events during World Cup Soccer (New England Journal of Medicine, 2008, vol. 358:475-83), in der diese Herznotfälle untersucht wurden, dokumentiert, dass sich deren Zahl während der WM 2006 an den sieben Spieltagen der deutschen Elf deutlich erhöhte. Dies war besonders bei Patienten mit einer bekannten koronaren Herzkrankheit (KHK) der Fall. Am häufigsten traten Herznotfälle bei den Endrundenspielen gegen Argentinien (Elfmeterschießen) und Italien (Verlängerung) auf. Das Forscherteam nutzte die WM 2006 vom 9. Juni bis 9. Juli, um die Bedeutung und Häufigkeit von emotionalem Stress als Auslöser für eine Herzattacke zu dokumentieren. Es konnte gezeigt werden, dass an den Spieltagen der Nationalelf mehr als doppelt so häufig ein Herznotfall auftrat im Vergleich zu den Kontrollperioden. War bei den untersuchten Personen eine Erkrankung der Herzkranzarterien bereits bekannt, war die Zahl der Herznotfälle viermal höher.
Wie können sich Patienten mit einer bekannten KHK vor einem WM-Spiel vor einer Herzattacke schützen? PD Wilbert-Lampen rät, vor einem Stressereignis die Art der verabreichten Medikamente und ihre Dosierung vom Arzt überprüfen zu lassen: Ist die Blutdruck-Einstellung ausreichend? Genügt bei hohem Blutdruck der ACE-Hemmer oder muss gegebenenfalls ein zusätzliches blutdrucksenkendes Medikament (Betablocker) verabreicht werden? Wie steht es um den Cholesterinsenker und Aspirin? Viele Risikofaktoren und akute Notfallsituationen sind beeinflussbar, wenn die Medikamente regelmäßig kontrolliert und konsequent eingenommen werden. Schließlich soll es bei der WM in Südafrika beim Mitfiebern bleiben – im Wohnzimmer und nicht im Krankenhaus.
Was kann ein Patient mit einer bekannten KHK vor dem Spiel gegen die Stressbelastung tun? „Wissenschaftliche Daten gibt es hierzu nicht. Ich persönlich rate dem Patienten, vor dem Spiel die Betablocker-Dosis zu erhöhen und bei akut einsetzender Angina pectoris frühzeitig Nitrospray zu nehmen. Patienten, die dazu neigen, auf emotionalen und körperlichen Stress mit Angina-pectoris-Anfällen zu reagieren, können vorbeugend Isosorbiddinitrat lutschen. Dessen Wirkung hält bis zu vier Stunden an“, empfiehlt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Universitären Herzzentrum Hamburg und Mitglied des Vorstands der Deutschen Herzstiftung. „Bei sehr unruhigen und erregten Patienten – häufig schon in der Erwartung des Spiels – kann die zusätzliche vorbeugende Einnahme eines Beruhigungsmittels – ausnahmsweise – sinnvoll sein“, fügt Prof. Meinertz hinzu.
Sollte es zu einer Herzattacke kommen, sollte nicht der Hausarzt, sondern sofort der Rettungswagen mit der 112 gerufen werden. „Patienten kommen häufig viel zu spät in die Notaufnahme, obwohl sie die klassischen Herzinfarktsymptome haben und schneller hätten reagieren können. Da kann schon viel Herzmuskelmasse abgestorben und damit verloren sein“, bemerkt PD Wilbert-Lampen. Jeder – nicht nur Risikopatienten wie Raucher, Bluthochdruckpatienten, Diabetiker oder Patienten mit krankhaft hohem Cholesterinspiegel – sollte die Infarkt-Alarmzeichen kennen: schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Auch ein starkes Engegefühl, heftiger Druck und ein Brennen im Brustkorb, Übelkeit und Atemnot gehören zu den Symptomen. „Das sind Warnsignale, die Patienten kennen müssen“, betont die Ärztin. |
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