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Das Waisenhaus von Rotterdam! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pethens   
Sonntag, 4. Juli 2010
Viele Waisenhäuser in Holland können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gerade deshalb bietet sich ein Vergleich zwischen deutschen und holländischen Waisenhäusern an. Dies gilt vor allem für die Entwicklung, die die Geschichte der Heime in Deutschland seit der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 genommen hat. Wie hat sich etwa, so ist zu fragen, der Besitz von Kolonien auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation in Holland ausgewirkt und wie waren die Waisenhäuser in diese Entwicklung eingebettet? Der Vergleich darf aber nicht bei den Waisenhäusern stehen bleiben, sondern müßte auch die 1869 eingeführten  "Tuchtschoolen" (Zuchtschulen; Korrektur- oder Besserungsanstalten) einbeziehen, die eine Einrichtung mit Strafcharakter für Kinder ab 12 Jahren und Jugendliche sind. Sie entsprechen, obgleich sie die Strafdauer von einem Jahr nicht überschreiten und der Justiz zugeordnet sind, eher den deutschen Erziehungsanstalten (siehe etwa Simon Groenveld,  Jeroen Johannes Hubertus Dekker, Thom R. M. Willemse, Jacobus Dane, Wesen en boefjes: zes eeuwen zorg in wees- en kinderhuizen. (Hilversum: Verloren, 1997)).

Holland hat auf die Waisenhauskultur in Deutschland einen großen Einfluß ausgeübt. Für seine Stiftung  zieht August Hermann Francke (1663-1727) in Halle Erkundigungen über die Waisenhäuser in Holland ein. Das von Maria von Nassau, Gravin van Buren (1556-1616), einer Tochter des Prinzen Willem von Oranje (1533-1584), 1613 in Buren gegründete Waisenhaus wurde in Deutschland des öfteren nachgeahmt, so etwa 1665 von Luise Henriette von Brandenburg (1627-1667) in Oranienburg  und 1698 von Dorothee Elisabeth zu Lippe-Brake (1661-1702) in Pyrmont. In allen drei Einrichtungen war die Zahl der Waisen offiziell auf 24 festgesetzt, in der Regel 12 Jungen und 12 Mädchen. Bedeutung für die Waisenhauskultur hatten auch die Zuchthäuser, deren erste um 1700 in Amsterdam gegründet wurde. Als Erziehungs- und Korrekturanstalten waren Waisen- und Zuchthäuser  institutionell häufig eng miteinander verbunden. Eine enge Verbindung zwischen Deutschland und dem Waisenhaus in Rotterdam ergibt sich insbesondere dadurch, daß es am 14. Mai 1940 bei einem deutschen Luftangriff zerstört wurde. Ob und in welchem Umfang die Nationalsozialisten auf die Kinder- und Jugendheimen in den besetzten Gebieten Einfluß genommen haben, ist bisher völlig dunkel. Nicht dunkel ist jedoch das Vorgehen etwa gegen das jüdische Waisenhaus in Rotterdam oder in Leiden. Jüdische Waisenhäuser bestanden auch in Amsterdam, Den Haag und Utrecht.

Das größte Waisenhaus (Het Gereformeerd Burgerweeshuis) in Rotterdam, mit dem in den Jahren 1584-1600 ein Aussätzigenhospital verbunden war, kam, wie das Waisenhaus in Amsterdam, im frühen 17. Jahrhundert in eine enge Beziehung mit der Verenigde Oostindische Compagnie (VOC). Die Interessen dieser Handelsgesellschaft hatten unmittelbar Einfluß auf das Lebensschicksal vieler Waisenkinder auch in Rotterdam. Der Hafen und die Handelsinteressen wirkten hier oft zusammen und gaben dem Leben der Kinder die Richtung vor. Bis zu 600 Kinder sollen zeitweilig im Waisenhaus von Rotterdam gelebt haben. Diese hohe Zahl zeigt die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung dieser Einrichtung an. Das Waisenhaus in Rotterdam war, wie etwa das große Militär-Waisenhaus in Potsdam, einer Rekrutierungsanstalt für Söldner, und, der Geographie angepaßt, für  Seeleute und Matrosen. Deshalb bestanden auch keine Bedenken, Kinder fremder Söldner und Seeleute aufzunehmen. Viele der ehemaligen Waisenkinder starben bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Engländern. Wie stark die Interessen der Verenigde Oostindische Compagnie auf das Leben der Waisenkinder einwirkte, zeigt etwa die Bemerkung, daß Mädchen aus einem Waisenhaus in Rotterdam von der holländischen Ostindienkompanie 1688 als Frauen für die Siedler nach Kapstadt gebracht wurden. Wie beim Bürgerwaisenhaus in Amsterdam war auch das Waisenhaus in Rotterdam bei den ehemaligen Waisen, die ohne Erben starben, erbberechtigt.

Anders als in Amsterdam liegen über das reformierte Bürgerwaisenhaus von Rotterdam nur wenige Akten vor. Das Feuer, das am 14. Mai 1940 durch den deutschen Luftangriff im Waisenhaus ausgelöst wurde, verbrannte auch den größten Teil der Akten. Was sich erhalten hat (Stadtarchiv von Rotterdam), betrifft meist Instruktionen der Waiseneltern (regenten en regentessen). Eine Akte über die Aufgabe der Lehrer, die den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen (leezen, schrijven en cijfferen) beibringen sollten, hat sich ebenfalls erhalten. Diese Kulturtechniken sollten den Waisenkindern helfen,  später ihr Auskommen zu finden. Die Mädchen wurden zur Hausarbeit erzogen. Man nähte, spann und strickte für die Mittelschicht. Auch zum Gesang bei Gottesdiensten wurden die Waisenkinder eingesetzt. Die Einnahmen hieraus wurden zum Unterhalt des Waisenhauses verwendet. In der Erinnerung an das alte reformierte Bürgerwaisenhaus in Rotterdam hat sich vor allem die rot-schwarze Tracht der Mädchen erhalten. Die Jungen trugen in der Regel einen schwarzen Anzug. Doch mit dieser Tradition war es mit dem deutschen Luftangriff vom 14. Mai 1940 endgültig vorbei.
 
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Top-TV
vom 6. Dezember 2012

Die Bundesministerinnen stellen den Abschlußbericht der Bundesregierung zum sexuellen Missbrauch vor.

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TopTV Sendung vom 25.10.2011

Frau Dr. Christine Bergmann beendet Amtszeit als Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs und bilanziert die Ergebnisse ihrer Arbeit und informiert über die Zukunft der Anlaufstelle

Interview mit Frau Dr. Bergmann, Prof. Fegert, Michael Ermisch, und Kathrin Radke

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