Die Eröffnung des 18. Life Balls am Samstagabend war wegen der ungünstigen Wetterprognose um eine Stunde vorverlegt worden. Doch diese Maßnahme konnte nicht verhindern, dass die Show nach Einsetzen heftiger Regenfälle unterbrochen werden musste. Wie die Polizei bestätigte, wurde der Rathausplatz wegen Blitz- und Unwettergefahr geräumt. Die Besucher zogen rasch und diszipliniert ab.
Es hätte eine prächtige Performance werden sollen. Whoopie Goldberg entstieg gegen 21.30 Uhr aus einer riesigen Erdkugel - und just zu diesem Moment öffnete der Himmel seine Schleusen. Aus Sicherheitsgründen entschlossen sich die Veranstalter nach einiger Zeit zum Abbruch. Es wurde sofort mit den Abbauarbeiten begonnen. Auf den Displays vor dem Rathaus wurde auf die Situation hingewiesen und aufgefordert, den Platz zu verlassen. Die Fashionshow fiel damit ins Wasser.
Lifeball 2010 Räumung wegen Unwetter by mymarci, Quelle: youtube.com
Das Thema des Balls lautete heuer "Erde". Neben Waldelfen, Efeukobolden und Blütenprinzessinnen kamen aber auch viele in Anzug bzw. Smoking und langen Ballkleidern. Das lag auch daran, dass der Event in diesem Jahr nicht nur im Rathaus, sondern auch im Burgtheater mit dem Red Ribbon Cotillion und mit der amfAR Gala im Parlament stattfand. Für beide Locations gab es einen anderen Dresscode - nämlich Abendkleidung.
Der Life Ball ist der Auftakt zur Weltaidskonferenz AIDS2010. 20.000 internationale Gäste waren in Wien erwartet.
Mehr Schaulustige als Mitstreiter haben sich am Samstagabend neben dem Burgtheater eingefunden, wo "Pornojäger" Martin Humer eine Demonstration "Gegen die Zweckentfremdung des Burgtheaters" veranstaltete. Die Kulturstätte ist heuer erstmals Teil des Life Balls. Für sein Anliegen fand Humer allerdings nur wenige Mitstreiter. Knapp mehr als ein Dutzend Teilnehmer im Pensionistenalter versammelten sich - auf zwei extra aufgestellten Parkbänken sitzend - um mit ihm gegen das Event zu demonstrieren.
"Es ist ein Verbrechen, dass man das Burgtheater in diese Gaukelei miteinbezieht", ärgerte sich Humer. Er ist dem Life Ball generell nicht wohl gesonnen: "Das ist eine sündteure Dummheit." In seiner Rede erklärte er zudem: "Eine Krankheit gehört behandelt und nicht gefeiert." Dies sei nur durch Enthaltsamkeit und nicht mit Kondomen möglich, denn: "Da schlüpfen die HIV-Erreger durch."
Beim Publikum kam die Mini-Kundgebung weniger gut an: Von "Geht's nach Haus'" über "Das ist ja lächerlich" bis hin zu "Vollidiot" lauteten die Zurufe der Zuhörer. Ein junges Paar meinte in Bezug auf Humer lachend: "Ein Spezialagent für den Herrn." Einige posierten vor den sitzenden Teilnehmern für Erinnerungsfotos. Zwei Frauen stellten sich vor Humer und küssten sich - von anfeuerndem Gejohle unterstützt. Auch zwei verkleidete Männer, die gerade unterwegs zum Life Ball waren, machten kurz Halt um sich zu den Demonstranten auf die Bank zu setzen. Insgesamt verlief die Kundgebung friedlich.