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Geschrieben von pethens   
Dienstag, 20. Juli 2010
Wien: "Frauen sprechen selten offen über ihren HIV-Status". Weltweit leben etwa 33 Millionen Menschen mit HIV/AIDS; gut die Hälfte davon ist weiblich. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara sind vor allem Frauen betroffen. Wie in vielen Ländern Europas ist man noch oft erstaunt, dass HIV auch Frauen treffen kann. Frauen treten oft in den Hintergrund, wenn es um das Thema HIV/AIDS geht, denn ursprünglich wurde HIV als ein "Schwulen-Virus" gesehen. Diese und andere Themen wurden im Zentrum der Women's Networking Zone 2010 auf der Weltaids-Konferenz in Wien diskutiert. Frauen aller Kontinente haben ihre Erfahrungen und Expertisen in Form von Workshops, Vorträgen, Diskussionen, etc. vorgetragen.


Frauen  haben ein signifikant höheres Risiko als Männer spät diagnostiziert zu werden - das heißt, wenn bereits ein fortgeschrittenes Krankheitsbild aufgetreten ist. Solche „späten" Diagnosen finden sich häufiger bei Frauen über 40, bei heterosexuellem Übertragungsweg und bei Herkunft aus einem Hochprävalenzgebiet. Ein Schritt Frauen auf das Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren, ist bereits durch die verpflichtende HIV-Testung im Rahmen der Mutter-Kind-Untersuchung getan, aber auch Frauen über 30 sollten verstärkt sensibilisiert und motiviert werden, sich testen zu lassen.

Frauen sind es, die von der Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung die mit HIV/AIDS einhergeht, besonders betroffen sind. Mit HIV leben sie eher im Hintergrund als HIV-positive Männer. Frauen wollen ihre Familien, Kinder und ihre Privatsphäre schützen, anstatt über ihren HIV-Status zu sprechen, denn das Risiko der Ausgrenzung ist zu groß. Sie schweigen aus Angst vor Schuldzuweisungen, die eng in Zusammenhang mit moralischen Werten stehen: Sexarbeit, Drogenkonsum, Untreue. Aber HIV macht vor der Moral keinen Halt.

Wiltrut Stefanek,des Selbsthilfevereines PULSHIV, meint in diesem Zusammenhang: "Frauen suchen zwar Selbsthilfegruppen oder andere Unterstützungssysteme auf, aber sie sprechen selten offen über ihren Status. Dank der antiretroviralen Therapien werden wir älter, aber trotzdem wird dem Thema HIV und Alter keine Beachtung geschenkt. Die Gesellschaft muss HIV endlich wahrnehmen, Vorurteile müssen abgebaut werden, damit wir offen mit HIV leben können. Frauen infizieren sich primär über heterosexuellen Kontakt, die Infektion über intravenösen Drogengebrauch nimmt ab. Sexarbeiterinnen müssen sich registrieren, um legal arbeiten zu können und verpflichten sich damit gleichzeitig zu einer wöchentlichen Untersuchung. Wird bei ihnen eine HIV-Infektion diagnostiziert, verlieren sie ihren „Deckel" und haben keinerlei rechtlichen Schutz. Wenn sie weiter in der Sexarbeit tätig sein wollen, werden sie in die Illegalität gezwungen. Sie benötigen daher Unterstützung auf vielen Ebenen um Ihnen den Ausstieg zu erleichtern.

Weltweit nehmen sich immer mehr Organisationen der Zielgruppe Frauen an - eine positive Entwicklung, denn HIV/AIDS ist ein Frauenthema. In manchen Ländern der Welt sind zwei Drittel aller HIV-positiven Menschen Frauen. Sie sind aufgrund biologischer und psychosozialer Faktoren vulnerabler als Männer. Dass sie oft früher von ihrer HIV-Infektion erfahren, führt oftmals zur Anschuldigung ihre Männer infiziert zu haben. Und hier kommt die Kriminalisierung der Transmission von HIV zu tragen. In vielen Ländern der Welt können Menschen strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie jemanden mit HIV infizieren. Frauen können nicht nur ihre Partner, sondern auch - im Rahmen einer Schwangerschaft und ohne Zugang zu Therapiemöglichkeiten - ihre Kinder infizieren. Oft führt dies neben dem Strafrecht auch dazu, dass sie von ihrer Familie verstoßen und enterbt werden, anstatt auf ein Unterstützungssystem bauen zu können. Es ist wichtig, dass Frauenorganisationen das Thema aufgreifen, um Frauen zu empowern und ihnen für ihre Anliegen ein Sprachrohr zu geben.

Quelle: standart.at

 
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