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Es ist geschafft. In Lissabon fiel das Urteil. Sechs Angeklagte wurden wegen Kindesmißbrauch verurteilt. Man wollte es erst nicht wahrhaben, daß dies geschehen könnte, doch nun ist es geschehen. Dieses Urteil hat Bedeutung über die Grenzen Portugals hinaus. Das Urteil ist ein Zeichen, daß Kindesmißbrauch nicht mehr durchgehen kann. Die Liste der spektakulären Fälle ist lang: Massenhafter Mißbrauch von Kindern durch Priester in den USA, Mißbrauch im kanadischen Mount Cashel Orphanage in St. John (Newfoundland), Mißbrauch in einem Kinderheim auf der englischen Kanalinsel Jersey, massenhafter Mißbrauch durch Priester in Irland, der Fall Marc Dutroux in Belgien, Mißbrauch in den Niederlanden, Norwegen, Schweiz, Österreich und in erschreckendem Ausmaß auch in Deutschland. Haben diese Fälle das Bewußtsein geschärft? Das dürfte sich erst zeigen, wenn die Täter dingfest gemacht sind.
Neue Leitlinien sind keine Garantie einer erfolgreichen Mißbrauchsbekämpfung, zumal dann nicht, wenn es der Institution Kirche mit den Leitlinien in erster Linie um den eigenen Schutz geht, um sich selbst möglichst umfassend abzusichern und dabei sind die mutmaßlichen Opfer eher ein Störfaktor. Man versucht deshalb die mutmaßlichen Opfer einzuschüchtern, droht ihnen mit einem Glaubwürdigkeitsgutachten, einem forensisch-psychiatrischen Gutachten zur Risikoabschätzung und beim Scheitern der gerichtlichen Klärung mit Schadenersatzklagen. Man hat den Eindruck, daß das kirchliche Verfahren nach den neuen Leitlinien das ordentliche Gerichtsverfahren vorwegnehmen soll. Der Druck auf die Opfer wird verdoppelt, wohl um sicher zu gehen, daß das Opfer einen Fehler begeht, der es erlaubt, seine Klage als unbegründet und die Tat wohl als ungeschehen zu bewerten. In dieser Situation können die Opfer wirklich nur auf den staatlichen Gesetzgeber hoffen, hoffen, daß er ihre Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit verteidigen wird. Wünschenswert wäre die Umkehr der Beweislast. Ein wirkungsvolleres Mittel der Prävention gibt es nicht. Doch bis dahin ist wohl noch ein langer Weg. Gleichwohl ist schon das, was heute ein Gericht in Lissabon getan hat, trotz der schändlichen Taten, vor denen man nur das Angesicht verhüllen kann, nicht allein ein Lichtblick für die Opfer, sondern für die gesamte menschliche Kultur.
Nachrichten zu dem Urteil in Portugal siehe Videobericht: http://www.myvideo.de/watch/7737275/Portugal_Missbrauch_Urteil_Teil_1 |